Montag, 17. Januar 2011

Thema Musik - Antworten der FDP auf die Wahlprüfsteine des Landesmusikrates



1. Musikunterricht an allgemeinbildenden Schulen
1.1. Wie wollen Sie die an den Schulformen unterschiedlichen Situationen des Musik-Fachunterrichtes hinsichtlich der Unterrichtserteilung durch Fachlehrer und der Erfüllung der Stundentafeln verbessern?
Tatsächlich stehen vor allem an den Sekundarschulen zu wenige Musiklehrer zur Verfügung. Die Landesregierung hat leider erst spät auf die auch von der FDP vertretene Forderung nach einer Erhöhung der Kapazitäten im Vorbereitungsdienst reagiert, so dass auch in Mangelfächern Lehramtsanwärter auf einen
Referendarsplatz warten mussten. Da die Lehrerausbildung mehrere Jahre dauert und gerade die Studiengänge auf das Lehramt an Sekundarschulen schlecht angewählt werden, wird sich die Situation auch im Lauf der nächsten Legislaturperiode leider nicht entscheidend entspannen. Durch verbesserte Beratung
von Studieninteressenten gerade in Hinblick auf spätere Beschäftigungsmöglichkeiten wäre aber ein erster Schritt getan. Hierfür ist allerdings zunächst einmal vor allem die Universität gefragt.

1.2. Welche Maßnahmen wollen Sie ergreifen, das verordnete „Schulenhopping“ von Musik-Fachlehrern zu beenden und damit diesen Lehrern die außerunterrichtliche künstlerische Erziehungs- und Bildungsarbeit
wie Schulchor oder Ensemblespiel zu ermöglichen?
Wie unter 1.1 bereits ausgeführt, wird das Fach Musik auch weiterhin unter Mangelsituationen zu leiden haben. Da die FDP auf die Erteilung von Musikunterricht durch Fachlehrer größten Wert legt, wird man auch in naher Zukunft auf das von den Betroffenen verständlicherweise ungeliebte „Lehrerhopping“ nicht völlig verzichten können.

1.3. Wie werden Sie die erweiterten musikalischen Ausbildungen an den Landesgymnasien Latina, Schulpforta und Wernigerode fördern?
Die FDP hält an diesen wertvollen Angeboten fest und plant diesbezüglich keine Einschnitte. Im Übrigen wollen wir weitere Schulen mit Mitteln und Fachpersonal ausstatten, um flächendeckend im Land Begabtenförderung zu betreiben.

1.4. Wie soll sich Ihres Erachtens nach der Einstellungskorridor für Referendare und graduierte Absolventen von Musik-Fachlehrern entwickeln, um der aktuellen Überalterung und Entblößung der Fachschaft zu begegnen?
Die geplanten Einstellungskorridore für Lehrämter sind zunächst einmal auszufüllen, auch wenn dann über Bedarf eingestellt werden würde. Dabei müssen natürlich zu allererst die Fächer berücksichtigt werden, in denen eine Mangelsituation herrscht.
Sollte dies nicht ausreichen, müsste über eine Ausweitung des Korridors nachgedacht werden, wobei wir in einem nationalen Wettbewerb um die wenigen Absolventen stehen.

2. Außerschulische Musikerziehung
2.1. Welche Veränderung streben Sie an, die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern im musikalischen Bereich zu verbessern?
Das unter FDP-Verantwortung im Sozialministerium eingeführte Programm „bildung:elementar“ legt großen Wert auf frühkindliche Musikerziehung. Im Curriculum der Erzieherausbildung ist vorgesehen, diese Fähigkeiten auch an die Auszubildenden weiterzugeben. Hier gilt es vor allem sicherzustellen, dass dies auch tatsächlich in den Fachschulen umgesetzt wird.

2.2 Welchen Stellenwert hat für Sie die Förderung kommunal verantworteter Musikerziehung?
Vor allem im Bereich qualitativ hochwertiger und anspruchsvoller Musikerziehung sind die Kreismusikschulen unabdingbar. Die Kommunen sind gefordert und finanziell so auszustatten, dass die bestehende Musikschullandschaft erhalten bleibt. Deshalb hat die FDP-Fraktion im Jahr 2009 einen eigenen Entwurf eines Finanzausgleichsgesetzes für die Kommunen vorgelegt, der leider an CDU und SPD scheiterte.

2.3. Welche Fördermöglichkeiten streben Sie in Ihrer Politik an, um die Ausbildungsangebote im bestehenden Musikschulnetz auszubauen? Wie stehen Sie zu dem Ziel “Jeder Kreismusikschule ein Sinfonieorchester”?
Die Zuweisungen zur Förderung der Musikschulen sollten auch in Zeiten sinkender Haushaltsvolumina ihr jetziges Niveau behalten. Darüber hinaus ist die Finanzausstattung der Kommunen so auszugestalten, dass sie auch die freiwillige Aufgabe der Kulturförderung in angemessener Qualität gewährleisten können. Die Zielstellung “Jeder Kreismusikschule ein Sinfonieorchester” ist zu begrüßen. Die Zukunft wird zeigen, inwieweit dieses Ziel auch in kleinen Musikschulen und angesichts des demographischen Wandels tatsächlich umzusetzen ist.

2.4. Welche Notwendigkeit sehen Sie, qualitätsorientierte privat verantwortete Musikschulen zu fördern? Welche Fördermöglichkeiten sind Ihres Erachtens einzurichten?
Die FDP hat bereits bei der Erarbeitung des Musikschulfördergesetzes die Förderfähigkeit einer Schule allein an Qualitätsmerkmalen, die durch den Landesverband der Musikschulen festgestellt werden, orientiert. Eine Trägerbindung besteht nicht.

3. Universitäre, Hochschul- und Fachhochschulausbildung
3.1. Wie werden Sie die Entwicklung von Studienangeboten am Institut für Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg in musikpädagogischen und –künstlerischen Fächern fördern?
Die Verantwortung für das Studienangebot ist für die FDP zu allererst eine Eigenverantwortung der Hochschule. Mit dem bewährten Instrument der Zielvereinbarung kann und soll das Land aber seine Ansprüche an die Ausbildung im Institut für Musik stellen. Dabei sollte vor allem das Kriterium der Qualität im Mittelpunkt stehen.

3.2. Durch welche Maßnahmen werden Sie die Zukunft der jetzigen Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle gestalten und sichern?
Die EHK Halle ist nach Auffassung der FDP eine Bereicherung der Hochschullandschaft und von herausgehobener Bedeutung für das Land. Die FDP wird sich dafür einsetzen, dass die Mittel aus dem Zuwendungsvertrag mit dem Land ihr jetziges Niveau behalten.

3.3. Welche Möglichkeit sehen Sie, die Vernetzungen von musikpädagogischen und -künstlerischen Ausbildungsangeboten des Instituts für Musik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg mit denen der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Halle zu fördern?
In den Zielvereinbarungen mit der Martin-Luther-Universität ist festgeschrieben, dass Ausbildung zum Gymnasiallehramt im Fach Musik in Kooperation mit der EKH stattfindet. Angesichts knapper Ressourcen sollten aber beide Einrichtungen, die ja auch im selben Gebäudekomplex untergebracht sind, ohnehin ein Eigeninteresse an einer unbürokratischen Zusammenarbeit haben. Die FDP setzt deshalb zunächst auf die Ideen vor Ort.

4. Laienmusik
4.1. Welchen Stellenwert hat in Ihrer Politik die Förderung der Laien- und Breitenmusik?
Laienmusik hält die reiche Musiktradition unseres Landes in breiteren Bevölkerungsschichten lebendig und entwickelt sie weiter. Musik nicht nur zu konsumieren, sondern auch selbst zu machen, ist unverzichtbarer Bestandteil des Kulturlebens. Über eine Ausweitung von schulischen Angeboten zum Erlernen eines Instrumentes wollen wir die Fähigkeit zum eigenen Musizieren verbreitern.

4.2. Welche Möglichkeiten sehen Sie, dass Landesverbände der Laienmusik institutionell gefördert werden können?
Die FDP steht dem Instrument der institutionellen Förderung kritisch gegenüber und möchte dies auch nicht ausweiten. Für die lobenswerte Arbeit der Verbände der Laienmusik kommt insofern nur die Projektförderung in Frage. Ansonsten ist es wichtig, die Möglichkeiten der finanziellen Unterstützung der Laienmusik-Vereine vor Ort zu verbessern.

4.3. Wie sehen Sie die Möglichkeit, die Förderung qualifizierter musikalischer Leitung von Ensembles (“Übungsleiterpauschale”), Chören und Instrumentalgruppen im laienmusikalischen Bereich, weiterzuführen?
Die FDP plant hier keine größeren Änderungen.

5. Berufliche Musikpflege
5.1. Welche Maßnahmen erachten Sie für notwendig, um Ungleichheiten in der musikalischen Versorgung des Landes zu beseitigen?
Ungleichheiten bei der musikalischen Versorgung sind angesichts der unterschiedlichen Siedlungsstruktur und Bevölkerungsdichte in den verschiedenen Landesteilen unausweichlich. Vor allem die musikalische Hochkultur kann sich zwangsläufig fast nur auf die Zentren konzentrieren. Im Eigeninteresse der Klangkörper selbst muss aber auch sein, interessante Angebote für das weitere Umland zu machen.

5.2. Welche Instrumente hält Ihre Politik vor, die Orchester des Landes in ihrer Existenz nachhaltig zu sichern und zu fördern?
Die Verträge zur Orchesterförderung haben den Einrichtungen zunächst – wenn auch teilweise unter Schmerzen – Planungssicherheit für die nächsten Jahre gegeben. Ansonsten ist es vor allem Aufgabe der Kommunen, für eine angemessene Ausstattung der Orchester zu sorgen, zumal diese nicht ohne Grund zu den so genannten weichen Standortfaktoren gezählt werden. Wie bereits beschrieben, bedarf es dazu allerdings auch einer auskömmlichen Finanzierung der Kommunen.

5.3. Welche Anschlussmaßnahmen haben Sie für die abgeschlossenen Vereinbarungen zwischen Land und Kommunen für den Erhalt und Ausbau der Musiktheater- und Konzertorchesterstruktur in Sachsen-Anhalt vorgesehen? Sollte das Instrument der Verträge nach einer notwendigen Evaluation als bewährt angesehen werden können, ist eine Weiterführung denkbar.

6. Popularmusik
6.1. Welche Möglichkeiten werden Sie einrichten, die jugendliche Rock- und Popmusikszene zu fördern?
Gerade die jugendliche Rock- und Popszene entzieht sich in der Natur der Sache begründet weitgehend direkter staatlicher Einflussnahme. Als Liberale begrüßen wir solches Engagement in der Kultur auf „Graßwurzel-Ebene“ ausdrücklich. Die Förderung von Wettbewerben, Proberäumen etc. werden wir natürlich aufrecht erhalten.

6.2. Welche Notwendigkeit sehen Sie, die musikalische Ausbildungsstruktur in Sachsen-Anhalt auch auf dem Gebiet des Jazz und popularmusikalischer Bereiche auszubauen? Wie stehen Sie zu einem Ziel “Jeder Kreismusikschule eine Big-Band”?
Das ist eine Frage, die nicht von der Politik sondern zu allererst von den Musikschulen und den Musikschülern zu beantworten ist. Jazz und Pop sind aber fraglos wertvolle Teile der Musikkultur. Die FDP setzt sich für die Verbesserung der Förderung des Festivals „Women in Jazz“ ein, da über derartige hochwertige Veranstaltungen das Interesse an der Musik gefördert wird.

7. Neues Musikschaffen
7.1. Wie schätzen Sie die Situation der Pflege und Anregung Neuer Musik in Sachsen-Anhalt ein?
Neue Musik hat es nicht nur in Sachsen-Anhalt schwer, ein Publikum zu finden. Das ist vor allem deshalb schade, weil unser Land immer noch viel zur Entwicklung der Neuen Musik beiträgt und diese Stücke nur relativ selten aufgeführt werden können.

7.2. Welche Voraussetzungen werden Sie schaffen, um Musikfeste mit ausschließlich bzw. vorzugsweise neuer Musik wie “IMPULS”, die “Hallischen Musiktage”, das “Tonkünstlerfest” Magdeburg weiter zu fördern?
Mit der FDP wird die Neue Musik auch weiterhin gefördert werden. Angesichts des relativ kleinen Publikums und begrenzter finanzieller Mittel sollten die Veranstalter aber noch deutlich mehr auf Zusammenarbeit setzen, als dies in der Vergangenheit häufiger der Fall war.

7.3. Welche Instrumente werden Sie der Landeskunststiftung in die Hand geben, eine nachhaltigere Förderung auch für ständig wiederkehrende Musikfeste zu ermöglichen?
Der Wunsch, nach einer dauerhaften Förderung für Musikfeste durch die Landeskunststiftung ist nachvollziehbar, eine Erweiterung der Förderinstrumente ist gleichwohl im Moment nicht angezeigt. Da die oben angesprochenen Musikfeste im Moment direkt aus dem Landeshaushalt gefördert werden, bedeutet dieses Anliegen lediglich eine Verschiebung der Entscheidungsebene.

8. Musikforschung, Traditionspflege
8.1. Welchen Stellenwert innerhalb der Landesinteressen messen Sie den tradierten Musikforschungskapazitäten, z. B. Hallische Händel-Ausgabe, Zentrum für Telemann-Pflege und -Forschung, außerhalb der Universitäten bei?
Aus diesen Einrichtungen gehen immer wieder wichtige Impulse für die Musikforschung aus. Angesichts der großen Musiktradition unseres Landes sollte ihre Tätigkeit deshalb nicht unterschätzt werden.

8.2. In welcher Weise beabsichtigen Sie, die überregional bedeutenden Einrichtungen Stiftung Händel-Haus Halle, Zentrum für Telemann-Pflege und – Forschung Magdeburg und Stiftung Kloster Michaelstein zu fördern?
Bei der Förderung dieser Stiftungen plant die FDP zum jetzigen Zeitpunkt keine größeren Änderungen.

www.fdp-lsa.de, Grafik: birgitH / pixelio.de

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